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Auch Kirche und Hallen
Auch die Documenta 11 wird neue Räume erobern. Nach dem Kulturbahnhof kommt die Brüderkirche hinzu. Über die Einbeziehung von Hallen außerhalb des Zentrums wird noch verhandelt.
Schon einmal sollte die gotische Brüderkirche in eine documenta einbezogen werden. Doch Joseph Beuys (1921- 1986), dessen Werkbiografie sehr eng mit der Geschichte der Kasseler Ausstellung verbunden ist, starb, bevor die Arbeit realisiert werden konnte. Die Brüderkirche, die nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird, hat sich in der Vergangenheit schon verschiedentlich als Ausstellungsraum bewährt. Während der documenta X hatte dort der Kasseler Kunstverein sein Forum gefunden, da er im documenta-Jahr seine Räume in der Kunsthalle Fridericianum aufgeben musste. Im nächsten Jahr nun soll die Brüderkirche ein Spielort der Documenta 11(8. Juni bis 15. September) sein.
Das zentrale Gebäude der Documenta 11 wird - wie seit dem Start im Jahre 1955 - das Museum Fridericianum. Der zweite feste Standort ist die 1992 am Auehang erbaute documenta-Halle, in der 1997 die Reihe „100 Tage - 100 Gäste“ lief und in der der jetzige documenta-Leiter Okwui Enwezor Gastredner war. Der dritte große Ausstellungsplatz, der 1997 erstmals dabei war, ist der Südflügel im Kulturbahnhof. Durch diesen Ort, der viele begeisterte, wird nicht nur eine Anbindung an die Eisenbahn geschaffen, sondern auch wieder der documenta-Parcours aktiviert. Ob die Achse auch so genannt wird, ist noch nicht ausgemacht. Als Bindeglied zur Karlsaue wird der Sonderausstellungsraum in der Orangerie dienen, in dem 1997 künstlerische Radiosender untergebracht waren.
Auf das zwischen Fridericianum und Staatstheater liegende Ottoneum wird die Documenta11 verzichten, da dort mittlerweile das Naturkundemuseum mit seinen Vitrinen eingerichtet ist und eine Ausräumaktion zu kostspielig wäre. Auch der Gedanke, wieder einmal die Neue
Galerie einzubeziehen, wurde verworfen. So wurden auch langwierige Diskussionen darüber vermieden, welche Teile der dort gezeigten Kunstsammlung während der Documenta 11 gezeigt werden müssen und welche ins Depot wandern können.
Ermöglicht wurde der Verzicht auf die Neue Galerie durch eine überraschende Alternative:
Außerhalb des Zentrums von Kassel bieten sich nach Einschätzung des Teams zwei alte Industriestandorte mit ihren Hallen als gute Ausstellungsorte an. Die entscheidenden Gespräche über die Nutzung eines Ortes werden in diesen Wochen geführt. Wie Pressesprecher Markus Müller versichert, kann während der Documenta 11 durch Zubringerdienste die Anbindung an die zentralen Ausstellungsorte garantiert werden.
Noch nicht entschieden ist, wie der Servicebereich, der zur Ausstellung gehört, am Friedrichsplatz organisiert wird. Die künstlerische Leitung will weder den provisorischen Karstadtbau übernehmen (der verschwinden soll) noch wieder eine Container-Straße aufbauen. Diskutiert wird derzeit die Schaffung einer transparenten Architektur, die Raum bietet für den Kartenverkauf, für die Buchhandlung oder Bistros.
HNA 9. 8. 2001
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