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Ein Mann in ständiger Bewegung
Weniger beachtete Seiten im Schaffen Arnold Bodes beleuchtet die Ausstellung in der Kasseler documenta-Halle. In den Mittelpunkt rücken der Gestalter, der Erfinder und der Regisseur.
Wie ist ein Mensch zu würdigen, der in jeder seiner Lebensphasen produktiv war, dessen eigentliche Leistung aber darin bestand, dass er pausenlos Ideen hervorbrachte und sich und seine Umwelt mit seiner Unruhe in Atem hielt? Die erste documenta etwa war noch nicht geplant und finanziert, da dachte Arnold Bode darüber nach, die Ausstellung im Vier-Jahres- Rhythmus zu wiederholen.
Ein solcher Mann ist schwerlich in einer Ausstellung zu spiegeln. Sicher, man kann die Dokumente seines Schaffens ausbreiten, doch die Sprengkraft der Ideen, die sich darin verbirgt, ist kaum zu ermessen.
Ein beredtes Beispiel dafür ist der mittlere Raum der Ausstellung, die die Neue Galerie in der documenta-Halle zeigt. Zu sehen sind vier parallele Dia-Projektionen zu den documenten 1-4. Für uns sind das heute historische Fotos von Ausstellungen, die Geschichte machten. Sie werden aber relativiert durch Erinnerungen an Dutzende ähnlicher Ereignisse. Das heißt: Das, was die Ausstellungen auszeichnete, dass Meisterwerke der Moderne in ruinenhaften Kulissen mit theatralischen Mitteln in Szene gesetzt wurden, erkennen und ahnen nur die unmittelbaren Zeitzeugen.
Unter diesen Umständen sind die beschreibenden Worte ebenso wichtig wie die bildhaften Zeugnisse. Wenn dann, wie in diesem Fall, die öffentlichen Mittel für eine umfassende Bode-Ausstellung fehlen und eine kleine Lösung nur mit Hilfe zweier Sponsoren (Kasseler Sparkasse und Familienstiftung Dierichs) möglich wurde, dann gewinnt der begleitende Katalog an Gewicht. Er dokumentiert und spiegelt die unterschiedlichsten Facetten von Bodes Wirken als Maler, Ausstellungsmacher, Gestalter, Lehrer, documenta-Planer und Stadt-Visionär. Vor allem lässt er die kreative Unruhe Bodes spürbar werden. In diesem Fall aber begleitet die Ausstellung den Katalog (Arnold Bode - Leben + Werk, Edition Minerva, 158 5., 45 Mark).
Die Ausstellung greift exemplarisch drei Aspekte von Bodes Wirken auf. Von den documenta-Dias war schon die Rede. Im Raum davor sind Studien, Fotos und Objekte zu sehen, die Bodes gestalterische Arbeit dokumentieren. Mit Erstaunen registriert man, dass er ausgerechnet in der Zeit, in der anscheinend seine größten Energien in die Planungen von documenta 1 und II ging, als Designer wichtige Erfolge feiern konnte.
Der schönste und im Bodeschen Sinne wichtigste Raum ist der, der den Visionen zur Stadtgestaltung Kassels und zum Oktogon-Projekt gewidmet ist. Gelungen ist er vor allem deshalb, weil Bodes Idee, der spitzen Herkules-Pyramide eine umgekehrte Licht-Pyramide vorzusetzen, inszenatorisch umgesetzt worden ist. Außerdem sieht man, von Bodes Skizzen und Studien gelegentlich zu eigenständigen künstlerischen Entwürfen gerieten. Dieser Seite wird man noch viel Aufmerksamkeit widmen müssen. Außerdem wird durch die beiden großen Bode-Gemälde klar, dass eine ausführliche Würdigung des Malers Bode wünschenswert wäre.
HNA 21. 12. 2000
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