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Ganz im Zauber des Lichts
Unter dem Titel „Der Schatten des Lichts“ zeigt der Kasseler Kunstverein eine große Neonlicht-Installation des Italieners Maurizio Nannucci.
Der Umzug in das Erdgeschoß des Museums Fridericianum hat dem Kasseler Kunstverein neben neuen attraktiven Räumen offenbar auch eine andere Programmatik beschert. Zum dritten Mal in Folge setzt nun der Kunstverein auf die Wirkung von Raum und Licht, auf die Weite und Großzügigkeit des zentralen Saales.
Das ist einerseits verständlich, auf der anderen Seite nutzt sich dieses Gestaltungsmittel schnell ab. Vor allem gilt das dann, wenn die Ausstellung nur aus einer Arbeit besteht - wie bei der jetzt zu besichtigenden Schau „Der Schatten des Lichts“ von Maurizio Nannucci (Jahrgang 1939).
Um es vorwegzunehmen: Die Licht-Installation des Italieners hat einen großen ästhetischen Reiz. Zwar erreicht sie für die Besucher nicht die farbliche Intensität und Dichte, die die Reproduktion in dem (erstmals zweisprachig herausgegebenen) Faltblatt verspricht, doch die Arbeit und die hinter ihr stehende Idee können gefallen. Nannucci, der seit langem schon auch mit Neonlicht arbeitet, hat unter die Decke des großen Saales einen riesigen Ring hängen lassen, der sich aus 500 bis 600 Neon-Elementen zusammensetzt. Fundstücke und selbst entwickelte Elemente mischen sich: Schriften, farbige Pfeile und Zeichen, gerade und gebogene Neonröhren. Ein Irrgarten des Lichts, der zahllose verschlüsselte Botschaften aussendet. Das Chaos allerdings ist in eine feste Ordnung gebracht.
Nannucci hat zur Weihnachtszeit einen gewaltigen Lichterkranz geschaffen. Vor allem in den dunklen Stunden entfaltet die Arbeit ihre Wirkung. Dann leuchtet der Kranz über den Raum hinaus und spiegelt sich in den Fenstern. Gleichwohl erschöpft sich auch der Effekt bald, weil die Licht-Installation nur wenig über sich hinausweist. Sie bestätigt nur, was wir aus dem Großstadtalltag wissen - daß das vielgestaltige Neonlicht anlockt. Doch wenn man der Lockung gefolgt ist, erkennt man, daß eben auch viel mehr nicht zu sehen ist.
Plötzlich stellt sich eine Sehnsucht nach einer kleinteiligen Ausstellung ein. Die wird ansatzweise im zweiten Raum befriedigt, wo der Kasseler Kunstverein erstmals seit Jahren wieder eine Edition präsentiert. Diese Edition unterscheidet sich grundsätzlich von den Jahresgaben früherer Zeiten, die meist aus Grafiken mit hoher Auflage bestanden. Nun werden vornehmlich in kleiner Auflage hergestellte Originale (Zeichnungen, Malerei, Objekte und Siebdrucke) von regionalen und internationalen Künstlern angeboten. Da kann man Vorzügliches entdecken.
HNA 18. 12. 1993
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