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Allein die Farbe zählt
Der Maler Prof. Kurt Bunge wird heute 85 Jahre alt. Nach überstandener schwerer Krankheit ist er wieder schöpferisch tätig.
In den frühen 50er Jähren lud die Kestner-Geseflschaft in Hannover Künstler ein, Holzschnitte für eine Ausstellungsreihe einzureichen. Unter den Adressaten waren auch einige wenige in der DDR lebende Künstler. Zu ihnen gehörte der an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) lehrende Maler Kurt Bunge. Jetzt, über 40 Jahre später, haben zwei Kunsthistorikerinnen aus Halle die in alle Welt verstreuten Farbholzschnitte von Kurt Bunge wieder zusammengetragen und präsentieren sie (zusammen mit einem Werkverzeichnis) ab 22. März in einer Hallenser Galerie. Ein schönes Geburtstagsgeschenk für Prof. Kurt Bunge, der seit seiner Flucht aus Halle im Jahre 1958 in Kassel lebt und heute 85 Jahre alt wird.
Die Serie der Farbholzschnitte aus den 50er Jahren blieb übrigens in dem reichen Werk Bunges einmalig. Zwar gab es immer dann Anklänge an den Holzschnitt, wenn Bunge seine Kompositionen mit kräftigen dunklen Konturen anlegte, auch zeichnete er viel und regelmäßig zu Studienzwecken, doch gehörte sein Herz stets der Malerei. Allein die Farbe zählt für ihn, im Dialog mit ihr kann er Flächen und Räume aufbauen, Spannungen erzeugen und von seiner Lust am Sichtbaren erzählen. Dabei spielt für ihn die Frage, wie er malt - ob realistisch oder abstrakt - im Grunde keine Rolle. So sehr er die Natur liebt, die Mittelmeerlandschaften und seinen Garten, und so sehr ihn die Menschen, Figuren und Masken faszinieren, sind für ihn die gegenständlichen Formen nur Träger von Anekdoten. Erst dann, wenn man die Anekdote ablöse, den Blick also für die reine Farbkomposition freimache, entscheide sich, ob ein Bild gelungen sei oder nicht, sagt er. Ein anspruchsvolles Bekenntnis.
Daher verwundert es nicht, daß Kurt Bunge mühelos die Grenzen überschreitet, die andere ziehen: In dem einen Bild bleibt er ganz erzählerisch und gegenständlich, in dem anderen zieht er sich auf die reine, abstrakte Form zurück. Manchmal verbinden sich auch beide Tendenzen in einem Bild. So entstand 1995 ein Gemälde der Sierra Nevada, in dessen Vordergrund Bunge maurische Kacheln so einwob, daß ein ornamentaler Streifen entstand.
Diese Grundhaltung erklärt auch, warum Kurt Bunge über Jahre und Jahrzehnte hin einzelnen Bildthemen treu bleibt. Die Bildgestaltung ist für ihn nicht eine Frage des Könnens, sondern der spontanen Neigung. Das Können ist die stillschweigende Voraussetzung, denn als Restaurator, der er auch ist, beherrscht er Techniken und Stile bis zur Perfektion. Für ihn als Künstler ist es also nur die Frage, für welche Seite er sich jeweils entscheidet. Und es macht ihm Spaß, diese Entscheidung immer neu zu treffen.
HNA 14. 3. 1996
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