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Zwei Apfelbäume
Am 21. Juni 2010 war in der Karlsaue, mitten auf der Wiese unterhalb des Rosenhangs, das erste Kunstwerk der dOCUMENTA (13) der Öffentlichkeit übergeben worden: Giuseppe Penones Idee di Pietra – ein Bronzebaum, in dessen Geäst ein gewaltiger Granit-Findling liegt. An die Wurzel des toten Baumes wurde ein kleiner lebender Baum gepflanzt, eine Ilex-Palme, Penones Baum-Pflanzung war eine Hommage an Joseph Beuys und seine Aktion 7000 Eichen. Zugleich war es ein Gegenstück zu Beuys‘ Pflanzaktion, die zwischen 1982 und 1987 das gesamte Stadtgebiet überzog.
Nun sind zwei weitere Bäume als Beiträge zur dOCUMENTA (13) gepflanzt worden. Carolyn Christov-Bakargiev und Jimmie Durham setzten gemeinsam zwei junge Apfelbäume in die Erde – und zwar in dem Bereich der Karlsaue, in dem es früher regelrechte Obstgärten gegeben hatte. Jimmie Durham streute ein paar Prisen Tabak in die Pflanzlöcher, um ihnen bei ihrem Wachstum zu mehr Geist zu verhelfen. Den Plan zur gemeinsamen Pflanzung hatten die documenta-Leiterin und der Künstler indianischer Herkunft, der 1992 erstmals an der documenta beteiligt war, bei einem Gang durch die Karlsaue entwickelt.
Durham, der sich von der documenta-Leiterin als Apfelbaum fotografieren ließ, erzählte von einer Kindheitserinnerung an einen Apfel mit schwarzer Schale (Arkansas Black). Und Carolyn Christov-Bakargiev erinnerte an die unglaublich klingende Geschichte von Korbinian Aigner, der im Konzentrationslager Dachau vier Apfelsorten züchtete, von denen eine besonders robuste, die Aigner KZ3 genannt hatte, offiziell nach ihm Korbinian-Apfel genannt wird.
Nun stehen also im Schatten eines alten Birnbaums zwei kleine Apfelbäume – Korbinian-Apfel und Arkansas Black. Sie werden später, wenn sie Früchte tragen, an die dreizehnte documenta erinnern. Für die documenta-Leiterin sind die Apfelbäume ein Zeichen dafür, dass sich die dOCUMENTA (13) auch dem Schutz der Vielfalt der Früchte verpflichtet sieht.
27. 10. 2011
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