Vom ewigen Kampf des Menschen

Der Krieg, in den er einst als 17-Jähriger freiwillig gezogen war, lässt ihn nicht los. Immer und immer wieder arbeitet Bernhard Heisig in seinen Gemälden die Schreckensbilder des Krieges auf. Er zeigt den Menschen, der auf ewig in Kämpfe verwickelt zu sein scheint, wobei die inneren Schlachten kaum von den äußeren zu trennen sind. Er beschwört den Tod und erzählt aber auch von der Lust des Lebens und des Fleisches. Heute vollendet der Maler Bernhard Heisig in Strodehne (Havelland) sein 80. Lebensjahr.

Heisig gehört zu den Künstlern, die stets zwischen den Stühlen saßen. Er hatte Erfolg, wurde in seiner unverwechselbaren Art anerkannt und sah sich doch immer wieder in Außerseiterrollen abgedrängt. Das galt auch schon in den Zeiten der DDR, in denen Heisig mal als Mitbegründer der so genannten Leipziger Schule ein Vorzeigekünstler war und dann wieder als Rektor der Kunsthochschule Leipzig wegen seiner Unbotmäßigkeit abgesetzt wurde. Nicht besser erging es Heisig in der Bundesrepublik, in der er zuerst als DDR-Staatskünstler verdächtigt wurde und dann wegen seiner realistisch-expressiven Malweise als unzeitgemaß abgetan wurde.

Insofern ist es für Heisig eine späte Genugtuung, dass die Bundeskulturstiftung eine umfassende Werkschau des Malers an dem Ort seines langjährigen Wirkens, in Leipzig, fördert. Die Westdeutschen und die internationale Öffentlichkeit lernten Heisig spätestens kennen, als seine Bilder zusammen mit denen von Mattheuer, Sitte und Tübke 1977 in der documenta zu sehen waren. Wie Tübke und Mattheuer widerlegte Heisig die Vorstellung, dass die in der DDR offiziell anerkannte Malerei mit dem Sozialistischen Realismus gleichzusetzen sei. Heisigs verzweifeltes Ringen um das Menschenbild und seine unermüdlichen Anläufe gegen die Höllenvisionen passten ebensowenig in das Klischee der optimistischen Staatskunst wie seine an Lovis Corinth und Otto Dix geschulte Malweise, in der sich die Räume und Figuren am Rande der Auflösung befinden. Bernhard Heisig ist seit einiger Zeit an den Rollstuhl gefesselt. Das hindert ihn nicht daran, weiter täglich ins Atelier zu fahren und an der Weiterentwicklung seiner Malkunst zu arbeiten. Endgültig zufrieden mit sich selbst ist er nie. So gibt es etliche Anekdoten, die davon berichten, dass er selbst an Museen und Sammler verkaufte Bilder nachträglich korrigierte.
31. 3. 2005

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